Monthly Archives May 2015

Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems in Baden-Württemberg


Menschen werden nicht gerne in Schubladen sortiert. Genau das passiert aber in einem dreigliedrigen Schulsystem

Das dreigliedrige Schulsystem:

Unter dem Begriff "dreigliedriges Schulsystem" versteht man allgemein das System der allgemeinbildenden weiterführenden Schulen in der BRD. Die Schulformen der Hauptschule, Realschule und Gymnasium sind sozusagen eine Gesamtschule und sind darin integriert. Die Hauptschule soll nach dem dreigliedrigen Schulsystem nun ganz abgeschafft werden. Es soll dagegen eine Einheitsschule eingeführt werden.

Nach Ansicht von Hans-Werner Sinn, Präsident für Wirtschaftsforschung in München, soll das dreigliedrige Schulsystem mit schuld an der hohen Arbeitslosenquote sein. Nach UNICEF werden viele Kinder oft zu früh und in falsche Schulen geschickt.

Geschichtlicher Hintergrund:

In Mittel- und Westeuropa gab es im Mittelalter und in der Renaissance zwei Schultypen: Die Elementarschule und die Lateinschule. Die Elementarschule kam der heutigen Grundschule gleich, wo man lediglich Rechnen, Schreiben und Lesen lernte. Die Lateinschule bereitete die Schüler auf ein Studium oder den kirchlichen Werdegang vor. Der größte Teil der Bevölkerung war Analphabeten. Erst in der Aufklärungszeit wurde aus der Lateinschule ein Gymnasium. 1717 wurde in Preußen die Schulpflicht eingeführt.

Forderung der Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems:

1000 Schulleiter fordern in Baden-Würtemberg das Ende des dreigliedrigen Schulsystems. Sie finden es pädagogisch nicht gleichwertig, wenn man die Schüler schon so früh einstuft. Kultusminister Rau wurde deswegen bereits mehrfach angegriffen. Viele Bürger finden das dreigliedrige Schulsystem erzkonservativ und inhuman, denn Hauptschüler haben nur eine geringe Chance, etwas im Berufsleben zu erreichen. Die schulische Integration würde demnach eine geringere Ausgrenzung der "schwächeren" Schüler zur Folge haben. Aggression und Schulerfolg hängen oft unmittelbar zusammen. Das Gewaltverhalten eines Schülers hängt also von seinen Noten in der Schule ab. Der Schüler wird sozusagen klassifiziert. Ungleichheit und Abweichung von Normen lassen den Schülern ziemlich rasch in dem heutigen Schulsystem degradieren. Mit dem neuen Schulsystem jedoch könnten solche Probleme behoben werden. Hinzu kommt die niedrigere Lebenserwartung von Kindern aus Arbeiterfamilien. Hätten diese Kinder eine Chancengleichheit, dann hätten sie dementsprechend eine höhere Lebenserwartung. Die wesentlichen Ungleichheiten im Bildungssystem sind Merkmale für die typische Klassengesellschaft.

Soziale Hintergünde:

Zu den sozialen Hintergründen zählen beispielsweise Ghettoviertel, Migrationshintergrund, der Familienhintergrund, sprachlicher Hintergrund und, ob die Mutter alleinerziehend ist. Auch der Erziehungsprozess eines Kindes hängt davon ab, ob es auf eine "höhere" Schule kommt. Ebenso das Sozialverhalten.

Hamburg und Baden-Württemberg: Ein Vergleich der Schulsysteme


Die Diskussion zur deutschen Bildungspolitik entstand in den 1960er Jahren und hat bis heute Bestand. Damals forderte der Soziologe Ralf Dahrendorf massive Veränderungen innerhalb des deutschen Bildungssystems und doch hat sich bis heute kaum etwas getan.

In der Bundesrepublik ist auch heute noch das dreigliedrige Schulsystem in den meisten Bundesländern aktiv, so auch in Baden-Württemberg. Nach dem Abschluss der Grundschule, welche in der Regel vier Jahre lang dauert, wird dem Schüler eine Empfehlung für eine weiterführende Schulform gegeben. Je nach der Leistungseinschätzung der Grundschullehrer besucht der Schüler danach entweder das Gymnasium, die Real-, oder die Hauptschule. Während das Gymnasium für die stärksten Schüler ausgelegt ist und auf die Hochschulreife ausbildet, erwirbt der Realschüler nach der zehnten Klasse den mittlere Bildungsabschluss. Um diesen zu erreichen, muss der Hauptschüler nach der vollendeter Schulausbildung einige Jahre in einer weiterführenden Ausbildung in Verbindung mit dem Besuch einer Berufsschule verbringen. Über mehrere Umwege und einigen Jahren Extrazeit kann so auch noch ein Hauptschüler sein Abitur absolvieren. Das Leistungsspektrum ragt von der Note Eins bis zur Note Sechs. In der durchaus umstrittenen PISA-Studie schneidet das Bundesland Baden-Württemberg in der Regel überdurchschnittlich gut ab.

Das von der SPD regierte Hamburg hingegen setzt bei Schulbildung auf das Prinzip des gemeinsamen Lernens. Seit 2010 existieren nur noch zwei Säulen im Schulsystem: Das altbekannte Gymnasium und die neuen sogenannten Stadtteilschulen. Letztere entsprechen in etwa den Gesamt- und Gemeinschaftsschulen, die aus anderen Bundesländern bekannt sind. Die Stadtteilschulen umfasst Schüler aller Leistungsniveaus. Mit der Idee des gemeinsamen Lernens soll erreicht werden, dass die stärkeren Schüler als Tutoren für die anderen Schüler agieren sollen. Neben mehr Bildungsgerechtigkeit solle dies in der Theorie auch zu besseren Leistungen aller Schüler führen. Dies ist jedoch in der Bildungspolitik und in Fachkreisen umstritten. Für die Bürgerschaft liegen der Öffentlichkeit auch keine separaten Ergebnisse der PISA-Studie vor, welches das Abschneiden der Hamburger Schüler darstellt.

Die Chemie zählt für viele Schüler mit Sicherheit zu den unbeliebtesten Fächern. Für die Bewertung und Einstufung sind die Naturwissenschaften nach wie vor unverzichtbar.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern, setzt Hamburg auch auf ein anderes Benotungssystem innerhalb der Stadtteilschulen. Grundsätzlich gibt es nur noch die grundlegenden Noten und die erweiterten Noten. Letztere müssen zum Ende der Mittelstufe erreicht werden, damit der Schüler die Ausbildung zur Hochschulreife antreten kann. Beide Noten sind wiederum in ein Subsystem aufgeteilt, welches die Leistungen des Schülers differenzierter aufzeigen kann. Wenn man die Noten der Stadtteilschulen in das altbekannte Notensystem zurückführt, wird die erreichte Leistung auf Gymnasialniveau anders bewertet als auf dem der Real- oder Hauptschule. Das Gymnasium in Hamburg ist grundlegend identisch zu den anderen Gymnasien in Deutschland.

Durch den im Grundgesetz verankerten Föderalismus in Deutschland ist die Schulpolitik zum Spielball der jeweiligen landespolitischen Regierungen geworden. Je nach den regierenden Parteien wird das Schulsystem den politischen Ideologien angepasst. Während die linksorientierten Parteien wie in Hamburg auf eine Breitenförderung und Bildungsgerechtigkeit setzen, wird den anderen Parteien ein Fokus auf die Elitenförderung zu Lasten der förderungsbedürftigen Schüler und ein Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem nachgesagt. Ansätze dieser Klischees lassen sich in vielen deutschen Bundesländern erkennen.

Vergleiche und Leistungsüberprüfungen zwischen den Ländern sind dabei nur wenig transparent, da die Ergebnisse nur repräsentativ sind. Außerdem liegen demografische Strukturunterschiede vor, welches die Resultate weiter verzerrt. Daher ist es auch im Vergleich zwischen Hamburg und Baden-Württemberg nur sehr schwer zu sagen und gleichzeitig politisch motiviert, welches Schulsystem nun das bessere und erfolgreichere ist.